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Geschichten aus Chile

5. September 2010

Wie man auch in Europa verfolgen kann, sind in Chile zur Zeit 33 Bergleute verschuettet. Am Sonntag, den 22. August, eine Woche nach meiner Ankunft kam die Nachricht, dass sie ueberlebt haben, gerade waehrend ich mit Padre Jorge unterwegs zu einer Kapelle auf dem Land war. Ich habe ein tiefes Gefuehl der Erleichterung im Bauch verspuert. Seltsam, wenn man bedenkt, dass man in einem fremden Land ist und eigentlich keine Beziehung zu diesen Menschen hat. Aber irgendwie gehoeren wir eben alle zusammen, egal wo wir leben.

Zweite Geschichte: Chile bereitet sich momentan auf sein zweihundertjaehriges Bestehen als Republik vor, was hier ganz gross, mit vier Tagen Feiern begangen wird, vom 17 – 20. September. In den Werbungen im Fernsehen wird nur noch vom Bicentenario gesprochen und im ganzen Land beginnen die Leute damit, ihre Haeuser mit Flaggen zu dekorieren und zu planen. Und am 19, und 20. habe ich frei und werde sicher zu Festen eingeladen, wo sich alle, wie die Chilenen sagen, besaufen, und vollfressen! Fiesta Patria hat hier eine voellig andere Bedeutung als der deutsche 3. Oktober!

Update 07. September:

Erdbeben: Seit ich hier bin hat die Erde schon zweimal spuerbar gewackelt, heisst man liegt nachts im Bett und auf einmal faengt das Bett an zu wackeln, als wuerde irgendjemand den Bettrahmen umherziehen. Das ist in Chile aber voellig normal und kaum eines Gespraeches wert.

Haeufiger wird ueber das Erdbeben am 26. Februar dieses Jahres gesprochen. Ich war am Samstag eingeladen mit nach Concepcion und Talcahuano zu fahren, und konnte viel der Zerstoerung sehen. In Talcahuano liegen an der Strasse neben der Hafenkante noch immer die Boote, die der Tsunami an Land geschleudert hat und die ersten zwei Hauserblocks an der Kueste (Richtung Inland), sind immer noch zerstoert und unbewohnt. Jetzt sechs Monate nach dem Erdbeben beginnt langsam der Wiederaufbau, aber viele Menschen haben (noch?) Angst vor dem naechsten Erdbeben, so dass sie gar nicht erst anfangen wieder an der Kueste zu bauen.

Mapuche:

Die Mapuche sind das Indigena-Volk Suedchiles und zur Zeit ist eine grosse Gruppe (mehr als 20) von ihnen, die wegen des Anzuendens von Holzlastwagen und “Hacienda”-Gebaeuden in Haft sind, in einem Hungerstreik und haben seit fast 60 Tagen keine Nahrungsmittel ausser Wasser zu sich genommen. Sie wollen damit erreichen, dass sie nicht nach dem Gesetz gegen Terrorismus vor einem Militaergericht angeklagt werden, sondern vor den zivilen Gerichten. Ich habe meine Arbeitskollegen und andere Chilenen gefragt, was sie davon halten und viele haben eine negative Einstellung zu den Mapuche. Sie geben zu, dass das Land der Mapuche vor ueber hundert Jahren wohl nicht immer ganz rechtmaessig in die Haende von Siedlern gefallen ist, aber die Mapuche seien auch starke Trinker und schlechte Arbeiter. Deshalb goennen ihnen die meisten Chilenen auch ihr Land nicht und haben nichts gegen das Gesetz gegen den Terrorismus. Die Politiker allerdings muessen jetzt handeln, weil der Imageschaden Chiles durch den Hungerstreik und die Mahnungen von Menschenrechtsorganisationen sonst zu gross wird.

Mal schauen ob einer der Mapuche stirbt, bevor sie eine Einigung erzielen.

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